Es ist wieder viel passiert. So viel, dass ich bestimmt gar nicht alles erzählen kann. Ich versuch's aber mal...
Ins Centro kommen, nach einer Flaute Anfang September, immer viele Kinderchen und ich werde ganz gut gefordet.
"Pia, komm hier hin und mach was mit mir!" "Nein, komm zu mir. Du muss was mit mir machen!!!" "Nein, hilf mir mit den Hausaufgaben!!" So geht das an einigen Tagen hin und her und anfangs wusste ich gar nicht wie ich damit umgehen muss. Aber mittlerweile klappt's ganz gut.
Meine Rolle im Projekt definiert sich insgesamt immer weiter und ich bekomme immer mehr Verantwortung. Zum Beipiel hab ich das Zähneputzen nach der Merienda (= Kekse essen und Saft trinken) wieder eingeführt und sorge jeden Tag dafür, dass die chicos auch daran denken und gründlich putzen. Passend dazu habe ich große Plakate zum Thema "Wie man sich die Zähne
putzt" gebastelt und in die Bäder gehängt.
Und es gibt noch eine weiter Neuerung. Nachdem vor zwei Wochen ein Junge aus dem Projekt auf der Ruta (viel befahrene Landstraße mit sechs Spuren in der Nähe des Projekts) einen schweren Autounfall hatte, hole ich die Kinder seit einer Woche immer an der Ampel ab und bringe sie auch wieder dorthin zurück. Normalerweise rennen sie nämlich immer einfach über die Straße, sie kennen es leider nicht anders. Deswegen ist es dieser Begleitdienst auch nicht ganz einfach und ein richtiger Lernprozess. Denn entweder kommen die Kinder zu früh und ich warte um 14 Uhr vergebens oder sie kommen zu spät...
Gestern waren die Kinder zwar pünktlich, hatten die Straße aber schon eine Straßenecke früher, da wo es keine Ample gibt, überquert. Sie waren total stolz, dass sie pünktlich waren, aber hatten leider vergessen, dass es so wichtig ist, die Straße bei der Ampel und mit Begleitung zu überqueren! Ich denke aber, mit der Zeit werden sie das noch lernen, denn es ist ja wirklich neu und anders für sie.
Neben diesen Veränderungen im Tagesablauf, lerne ich die einzelnen Kinder immer besser kennen und habe viele schon sehr ins Herz geschlossen, auch wenn sie nicht immer artig und brav sind...
Aber ich erfahre auch immer mehr über die Hintergründe der Kinder, was sehr erleichtet zu verstehen warum sie so sind, wie sie sind. Warum sie sich oft schlagen oder Sachen verschwinden lassen... Sie sind in einem Moment ausgeglichen und lieb und im nächsten ziemlich agressiv und schwierig. Manchmal ist es auch so, dass sie einfach einen schlechten Tag haben, weil irgendetwas zu Hause passiert ist...
Gerade aus diesem Grund freue ich mich immer sehr, wenn ein wilder Rabauke zu mir kommt und in den Arm genommen werden will oder er mich fragt, ob wir nochmal das Lied zusammen singen könne, dass ich ihm neulich beigebracht habe. Oder wenn der kleine Lolo, der einer der jüngsten ist (6 Jahre alt) ist und von den Älteren ganz schön rumgeschubst wird, bei mir auf den Arm ist und lacht und ein bisschen zur Ruhe kommt.
Ein weiteres schönes Erlebnis (darauf weist auch der Titel hin...) war unser campamento (Art Zeltlager) letztes Wochenende. Von Freitag bis Sonntag sind wir mit ca. 20 Kinder nach Baradero gefahren, eine Kleinstadt ca. drei Stunden entfernt, anlässlich des 100-jährigen Bestehens eines ehemaligen Kinderheims dort, von dem mein Chef auch der Chef ist. Der Staat hat vor ein bis zwei Jahren die Auflagen für Heime leider so verändert, dass dieses riesige Kinderheim leider geschlossen werden musste und jetzt nur noch eine Tagesbetreuung für etwa 20 Kinder ist. Hier gibt es auch zwei Freiwillige von meiner Organisation.
Große, breite, bequeme Sitze, die man sogar ausklappen konnte! Welch ein Luxus!
Dann, angekommen, gab es Pizza für alle und anschließend eine Nachtwanderung... Das war so gruselig, dass zwei Kinder sogar weinen mussten...
Am nächsten Morgen ging's, nach einer wenig geruhsamen Nacht (die weiblichen Betreuer haben nämlich mit den Mädels in einem Zimmer geschlafen), mit viel Programm weiter: Für's Abendessen haben wir Nudeln selbstgemacht, was natürlich viel Zeit beansprucht hat. Dann habe ich (!) mit den Jungs Fußball gespielt und später waren die Kinder im Pool schwimmen. Dank zwei meiner männlichen Mitarbeiter, bin auch ich ziemlich unfreiwillig samt Kleidung und Schuhe baden gegangen! Sehr zum Amüsement der Kinder...
Abends haben wir T-Shirts mit kleinen Engeln bemalt, um uns am nächsten Tag bei den Feierlichkeiten als Gruppe der Projektes "Arcángel Gabriel" präsentieren zu können.
Danach saßen wir noch gemütlich beim Lagerfeuer zusammen und haben in Gruppen vorbereitete Sketche und Lieder aufgeführt. Nicht so einfach in der Vorbereitung, aber doch später sehr lustig!
Am Sonntag gab es dann eine große Schnitzeljadt, die ich mit zwei Älteren vorbereitet habe. Leider wurden viele Spuren schon vorher gefunden, sodass wir alles nochmal neu verstecken mussten, aber dieses Mal mit vielen falschen Fährten... Da hatten die Kids ganz schön was zu tun!
Dann gab es noch ein großes Essen für die ganze Festgesellschaft (900 Personen!) und natürlich auch für uns. Es gab gegrilltes Hähnchen (Pech für mich!), dass von Kellnern serviert wurde. Man hat richtig gemerkt wie glücklich die Kinder waren über so ein Festessen mit Bedienung! Keine Alltäglichkeit für sie.
Danach wurde wieder getobt und gespielt, bis es dann Zeit zum Aufbruch war und ein sehr schönes Wochenende zu Ende ging.
Ich war dann auch am Sonntag abend um 22 Uhr wieder zu Hause, ziemlich fertig und mit der Aussicht am nächsten Tag wieder zu arbeiten...
Nächstes Wochenende wir dann zum Glück wieder etwas geruhsamer, denn am Montag ist feiertag. Am 12. Oktober wird hier nämlich die Entdeckung Lateinamerikas gefeiert!
Außerdem gehe ich am Samstag zum Fußballspiel Argentinien-Peru und ich hoffe, dass Argentinien endlich mal einen Sieg davon trägt. Sonst sieht es auch sehr schlecht für die WM aus...
Besos und bis bald,
eure Pia
hey du, nichts gegen argentinien, aber ich bin ja für Peru.
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